Schwangerschaft und Geburt

Um ehrlich zu sein, war schwanger werden für mich unglaublich leicht. Ganz viele Leute im Freundeskreis müssen lange üben oder es klappt auch in der Kinderwunschklinik nicht. Ich war eingestellt auf einen Marathon. Dennoch habe ich mich von Anfang an informiert und ab dem dritten Übungszyklus habe ich Temperatur gemessen und Tee getrunken. Es war der erste Zyklus nach meiner Disputation und ich wurde direkt schwanger. So schnell!

Darauf war ich nicht eingestellt, aber umso besser. Etwa ab der sechsten Woche kam die erste Blutung. Es war Sonntag, wir sind also ins Krankenhaus. Man sah dann eine Fruchthöle, aber kein Herz. Wir müssten warten. Auch in der nächsten Woche hatte ich wieder Blutungen. Diesmal ging es zur Frauenärztin. Da war ein Herz! Ich bekam dann zusätzliche Gelbkörperhormone und die Blutungen stoppten. Zunächst. In Woche 15 kam auf einmal frisches Blut. Wir sind also wieder ins Krankenhaus. Man konnte nichts feststellen, dem Baby ging es anscheinend gut. Aber es war halt Blut da. Und ab da fing es an.

Ich hatte wöchentlich, teilweise häufiger, Blutungen, vereinzelt sogar regelstark. Es wurden allerlei Vermutungen angestellt, aber eine Diagnose bekam ich nicht. Und ich musste immer zum Arzt. Ich wurde kontrolliert und wieder nach Hause geschickt, aber ich musste immer hin, dem Rat der Mediziner folgend. So hangelte ich mich erst von AU zu AU und war dann später im Beschäftigungsverbot. Denn die Blutungen waren häufiger und stärker bei Belastung.

Und plötzlich hörten sie auf. Etwa in Woche 30. Das war schon eine enorme Erleichterung. Denn bis dahin hatte ich wirklich pausenlos Sorge, den kleinen Mann zu verlieren. Stattdessen bekam ich ein Karpaltunnelsyndrom. Meine Hände schmerzten und wurden taub. Zum Ende hin konnte ich vieles nicht mehr anfassen und hatte ständige Schmerzen.

Ich hoffte auf eine frühe Geburt und redete Charlie Brown gut zu. Und es funktionierte. Bei 36+2 ging der Schleimpfropf ab und er kündigte seine baldige Ankunft an. Da ich blutungsgeprägt war, sind wir also wieder ins Krankenhaus. Da war aber alles in Ordnung. Puh.

Am darauf folgendem Wochenende (das war 37+1) hatten wir einen Baby-Erste-Hilfe-Kurs. Nachts bin ich einmal aufgewacht und war etwas feucht zwischen den Beinen. Da habe ich gedacht ich hätte stark geschwitzt. Man ist nachts nicht so clever… Am nächsten Morgen hatte ich das vergessen und wir sind losgefahren. Ich hatte insgesamt etwas mehr hellen Ausfluss an dem Tag, aber es war nicht gewöhnlich viel. Zuhause kam dann doch noch mal etwas mehr und ich habe vorsichtshalber einen PH Test gemacht. Im Geburtsvorbereitungskurs haben wir gelernt, dass ein Blasensprung auch fast unbemerkt bleiben kann und haben diese Streifen mitbekommen. Für den Fall der Fälle. Ich war überzeugt, dass es nur Ausfluss ist. Ich hatte ja gar keine Wehen. Aber das Ding verfärbte sich.

Und da geriet erst ich und dann auch Herr Griesgram in Panik. Ich bin den ganzen Tag mit Blasensprung herum gelaufen! Wir riefen bei der Klinik an und sollten vorbeikommen. Also Koffer geschnappt und via Tram ins Krankenhaus.

Dort wurde ich untersucht. Es war die selbe Hebamme wie vier Tage zuvor und sie meinte ganz blöd: „Na, da ist aber jemand übervorsichtig“. Sie hat auch Charlie Brown später entbunden, da war sie allerdings freundlicher.

Nachdem hier bestätigt wurde, dass ich einen Blasensprung ohne Wehen habe, wurden wir eingecheckt. Wir kamen ins Vorwehenzimmer. Uns wurde gesagt, dass ich spätestens am nächsten Morgen eingeleitet werden würde. Ich durfte entscheiden, ob ich vorher die Einleitung möchte. Nun bin ich wirklich schlecht im Warten. Also wollte ich abends eingeleitet werden. Wenn bis dahin nichts kam. Und es kamen keine Wehen und die Einleitung begann.

Abends gab es die erste Tablette Cytotec. Und es passierte nichts. Ich hatte leichte Bauchschmerzen und das CTG zeigte ein paar mehr Ausschläge, schlafen konnte ich hervorragend, zum Glück. Die nächste, höher dosierte Tablette gab es nachts und der Effekt war ähnlich. Ich schlief also. Sogar relativ gut. Es ging ja los. Kein Warten. Das entspannte mich.

Morgens um 7:00 Uhr gab es die nächsthöhere Dosis. Und ich hatte spürbare Wehen. Die Stunde am CTG ging noch gut herum und wir gingen um 8:00 Uhr frühstücken. Da wurde es langsam ungemütlich. Das Frühstück war auf der Wöchnerinnenstation. Neben uns also lauter Frauen mit Baby. Und unsere Sitznachbarin ließ es sich nicht nehmen, uns zu sagen, wie schlimm eine Geburt ist. Herzlichen Dank! Wir sind also zügig aufgestanden und im Krankenhaus herumspaziert. Und dann wurde es tatsächlich unangenehm. Ich musste Pausen machen und hatte ständig das Gefühl, auf die Toilette zu müssen.

Um 9:15 Uhr gingen wir zurück. Ich konnte nicht mehr und wollte Fachpersonal in der Nähe haben. Ich sollte gegen 9:45 Uhr kontrolliert werden, aber die Schmerzen wurden auf einmal sehr schlimm und mein Mann holte die Hebamme. Die guckte nach und der Muttermund war bei 2cm, da war es 9:20 Uhr. Scheiße, dachte ich. Das kann noch Stunden dauern und die Wehen kamen im Minutentakt. Jede schlimmer als die Vorherige. Das könnte ich nicht stundenlang durchhalten! Ich wollte Schmerzmittel. Und bekam die Badewanne. Naja. Ist einen Versuch wert.

Die Wanne war am Anfang ganz okay. In den Pausen sogar ganz schön. Aber jede Wehe war schlimmer als die davor. Ich wollte nicht mehr. Und ich hatte das extreme Bedürfniss, auf die Toilette zu gehen. Da war es 9:35 Uhr etwa. Ich wurde also heraus gehieft, die Hebamme kontrollierte den Muttermund: 8 oder 9cm! Es ging von der Wanne aus direkt in den Kreißsaal. (Bei diesem Teil hat Herr Griesgram geholfen. Ich erinnere mich nicht, dass geguckt wurde. In meiner Erinnerung gingen wir plötzlich in den Kreißsaal.) Und auf die Toilette durfte ich auch nicht mehr. Es ging direkt auf das Bett. Das war so groß, dass auch Herr Griesgram Platz hatte. Kaum saß ich da, hatte ich Presswehen. Also ging es los. Etwa 9:45 Uhr.

Diese Wehen waren angenehmer im Gegensatz zu denen vorher! Also drückte und presste ich. Irgendwann hörte ich: „Ich sehe schon den Kopf“. Aber ich dachte, dass sagen die nur zur Motivation. Beim nächsten Mal hatte ich dann aber tatsächlich ein enormes Spannungsgefühl und Herr Griesgram sagte mir, dass da der Kopf schon draußen war. Kein Wunder, dass es spannte. Dann war er auch schon da. Um 10:02 Uhr kam unser Sohn zu uns.


2016-09-18-11-29-19

Dieses unglaubliche Gefühl, wenn er das erste mal auf einem liegt. Voller Käseschmiere und einfach so perfekt. Ich spüre immer noch ein leichtes Kribbeln, wenn ich daran denke. Dieses Gefühl und dieses kleine Menschlein. Unglaublich.

Im Nachhinein betrachtet war es eine angenehme Geburt. Sie ging halt schnell. Im Groben und Ganzen hatte ich 45 richtig schmerzhafte Minuten. Ich dachte halt die ganze Zeit es dauert lange. Vielleicht zehn Stunden oder so. Ich war eingestellt auf Stunden und da haben mir die Schmerzen echt Angst gemacht. Jetzt weiß ich natürlich, dass sich der Muttermund innerhalb von 30 Minuten öffnen kann. Ganz schön schnell, für das erste Kind.

Wie es dann für uns weiter lief habe ich hier aufgeschrieben. Herr Griesgram hat seine Erlebnisse hier dargelegt. Und etwas zum Stillen in der Öffentlichkeit habe ich auf dem Motherbirthblog verfasst.

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