Ein Gruß aus der Hölle via 26-Wochen-Wachstumsschub

Ich schreibe ja eigentlich jeweils nur am Ende von Charlie Browns Lebensmonaten, aber da werde ich vermutlich Freudentränen vergießen, dass wir diesen Abschnitt nun endlich geschafft haben. Die Dokumentation eines Tages in der Hölle des 26-Wochen-Wachstumsschubs bei Charlie Brown, Frau Sonnenschein und Herr Griesgram.

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photo credit: Charlie Brown via photopin (license)

Um fünf Uhr stehen wir auf. Charlie Brown knatscht etwas, wir ziehen daher in das Schlafzimmer um (ja, das ist an Absurdität nicht zu überbieten, zum Aufstehen von dem Wohnzimmersofa zum Schlafzimmer zu wandern). Wir machen das Zimmer dunkel, stellen Leuchtwal an, der mittels LED Sterne an die Decke wirft. Charlie Brown guckt skeptisch und ich kitzele seinen Bauch. Dann dreht er sich auf eben diesen und übt den Vierfüßlerstand. Er startet sehr vielversprechend, aber es klappt nicht und so schimpft leicht währenddessen. Nach zehn Minuten geht Schimpfen in Weinen über. Wir schnappen ihn uns, Herr Griesgram beginnt zu wickeln und ich ziehe mich schnell an.

Um sechs Uhr verlässt Herr Griesgram das Haus. Charlie Brown wird da bereits schon wieder müde und quengelt. Also ist Schlafen angesagt. Ich lasse ihn noch ein wenig an der (kindersicheren) Fensterdekoration spielen, dann machen wir die Dunstabzugshaube (unser White Noise Generator und Störgeräusche-Filter) an. Jetzt schreit Charlie Brown. Laut! Ich kuschle und klopfe auf den Rücken, er schreit weiter. Wir machen weiter mit unserem Einschlafritual, schließen die Vorhänge und gehen zum Sofa. Charlie Brown schreit noch immer. Ich versuche ihn anzudocken, das klappt nicht. Er ist zu aufgebracht. Also herumlaufen, Brust schon mal herausholen, ihn im Laufen andocken und gemeinsam hinsetzen. Er trinkt zwei Minuten, dann wird er unruhig. Er zieht an der Brustwarze, dockt an und ab und an und ab und so fort. Ich probiere es an der anderen Seite (seine Lieblingsseite wechselt ständig), das klappt aber auch nicht. Also ab ins Tragetuch mit ihm.

Um halb sieben packe ich Charlie Brown, noch leicht skeptisch, in das Tragetuch. Mittlerweile gelingt mir dies, ohne ihn abzulegen. Er spürt das Tragetuch auf seiner Schulter und schreit. Laut, wirklich bestialisch. Ich singe „wir lagen vor Madagaskar“, wie ich es immer mache, und ziehe das Tragetuch weiter an. Das Schreien nimmt weiter an Intensität zu und ich laufe herum, während ich das Tragetuch festknote. Da hört er auf zu weinen. Wir gehen auf den Gymnastikball und ich bin nun bei Strophe drei angekommen. Da beginnt er wieder zu weinen. Ich hebe ihn im Tragetuch hoch und kuschle meine Wange an seine Wange. Nach fünf Minuten ungefähr schläft er ein. Ich singe und wippe und habe Hunger und Durst.

Um viertel nach sieben wird Charlie Brown wach, nach 45 Minuten Schlaf. Bis dahin habe ich gefühlte 387 mal „wir lagen vor Madagaskar“ gesungen und mich mit dem Smartphone vergnügt. Charlie Brown knatscht etwas, wir kuscheln uns auf die Sofa und er neben mich an die Brust. Nach zehn Minuten zieht er wieder und ich docke ihn ab. Dann spielen wir. Keine vier Sekunden dauert es und er liegt auf dem Bauch und übt den Vierfüßlerstand. Nach fünf Minuten klappt es immer noch nicht so wie er will, nach zehn Minuten verlässt ihn seine Kraft und er schimpft stark. Ich nehme ihn hoch und dann geht es los. Er schreit und schreit und schreit. Ich laufe herum, wippe auf dem Gymnastikball, er beruhigt sich und er kuschelt auf der Sofa an die Brust. Dann versuche ich ihn abzulegen. Er protestiert. Das Spiel beginnt von vorne: Geschrei. Ich habe dazu gelernt und lege ihn nicht ab. Wir gehen raus. Nur um den Block. Dann knatscht er.

Gegen halb neun ist er (vermutlich) wieder müde. Er zeigt generell keine Signale der Müdigkeit, daher gehe ich grob nach der Uhr. Also von vorne. Dunstabzugshaube an, Charlie Brown weint, wird gestillt, gewippt, schreit als Begleitung zu „wir lagen vor Madagaskar“. Gegen halb zehn ist Charlie Brown wach und auch dieses Spiel beginnt von vorne. Wir gehen kurz raus und kaufen uns fertig geschnittene Mango und er übt und schreit. Um elf beginnt unser Schlafk(r)ampf und viertel vor zwölf ist er wieder wach.

Gegen zwölf essen wir die Mango. Dabei nimmt mein cleverer Sohn meine Hand mit der Mango und führt sie sich zum Mund. Alleine greifen klappt noch nicht, dafür ist die Mango zu glitschig. Er mümmelt an der Mango und fühlt sich wohl auf meinem Schoß. Dann sind wir fertig und er schreit. Vermutlich hat er sich Essen spektakulärer vorgestellt oder das Essen fühlt sich noch komisch an im Bauch. Auf jeden Fall ist er unglücklich. Also wieder tragen und wippen und tragen und tragen und tragen.

Gegen ein Uhr läuten wir die nächste Runde Schlaf ein, wieder mit Stillen, Schreien, Wippen und Madagaskar. Gegen zwei Uhr ist Charlie Brown wach. Noch eine Stunde bis Herr Griesgram kommt. Wir spielen und er dreht sich. Wir gehen etwas raus. Er knatscht jetzt etwas weniger. Zum Nachmittag hin wird es (meist) besser. Gegen drei Uhr kommt Herr Griesgram und Charlie Brown macht danach sein letztes Ründchen Schläfchen (wie vorher). Spätestens um vier Uhr ist Charlie Brown wach und hat gute Laune. Abends eigentlich immer. Wir spielen also zu dritt, ich lasse dann meine Männer alleine spielen, daddel mit dem Smartphone und gehe duschen und, als Highlight, alleine auf die Toilette. Zwischendurch höre ich Charlie Brown schwer arbeiten, aber alles im Rahmen des Erlaubten und nicht so, dass ich mit Herrn Griesgram wegen mangelnder Fürsorge schimpfen müsste 😉

Gegen sechs Uhr ist Charlie Brown bereit den Tag zu beenden. Herr Griesgram hat ihm vorher schon den Schlafanzug angezogen. Also wird die Dunstabzugshaube eingeschaltet. Charlie Brown ist untröstlich, ich trage ihn und docke ihn im Laufen an. Er trinkt und fletscht die Brustwarze. Also zum Gymnastikball. Da weint er dann ganz bitterlich. Ich halte meine Wange an die seinige, Herr Griesgram macht die Dunstabzugshaube lauter und ich tröste unser völlig erschöpftes Kind. Nach einer halben Stunde beruhigt er sich und kann endlich einschlafen. Kurz bevor er einschläft, ziehen wir auf das Sofa. Dort schläft er mit der Brust im Mund ein. Ganz ohne geht es leider (noch) nicht. Jetzt geht es gegen viertel vor sieben. Herr Griesgram macht uns nun Abendbrot, wir flüstern noch leise und um acht Uhr schlummere ich ein.

Im besten Fall…

… Bin ich bis Mitternacht nur halb wach, da Charlie Brown auf mir schläft und sich im Schlaf auch schon mal gerne bewegt. Dann docke ich ihn wieder an, klopfe ihm auf den Rücken und ziehe Charlie Brown etwas höher und er kuschelt sich an meine Schulter. Das liebe ich! Nach Mitternacht wird es anstrengend. Ich docke an, klopfe, nichts hilft. Gegen ein Uhr ist Charlie Brown wach. Ich bitte Herrn Griesgram, Charlie Brown zu tragen. Nach zehn Minuten schläft er, er kommt zurück an die Brust. Um zwei Uhr das gleiche Spiel. Ich bitte erneut Herrn Griesgram, zu übernehmen. Charlie Brown schreit sofort. Also auf den Gymnastikball und zurück zum Sofa. Gegen drei Uhr wippe ich wieder. Mit etwas Glück schläft er weiter an der Brust angelockt auf dem Sofa. Gegen halb vier ist er für gewöhnlich so unruhig, dass er an der Brust nicht mehr schlafen kann. Also wippe ich bis fünf Uhr.

Im schlechteren Fall…

… versagt schon das Einschlafstillen. Nach vielen Tränen schläft Charlie Brown ein, aber er schafft den Übergang in die nächste Schlafphase nicht, also geht es nach einer halben Stunde wieder auf den Gymnastikball und wieder fließen Tränen. Auch das nächste Mal klappt der Schlafübergang nicht, also wieder zurück auf den Gymnastikball. Immerhin ohne Tränen diesmal. Ich schlafe dann schnell, gegen halb elf Uhr wird Charlie Brown wach und schläft auch nicht wieder ein. Ich stille, Herr Griesgram trägt, ich wippe, aber nichts hilft. Resigniert lassen wir ihn etwas strampeln. Charlie Brown findet das super und hat so gute Laune wie den ganzen Tag über nicht. Zwei Stunden später kann er endlich, unter Tränen, einschlafen. Und dann wieder das Klopfen, Seite wechseln und wieder andocken. Er schläft dann gute fünf Stunden und ich bin bestimmt acht mal wach. Zwischendurch musste ich zwei oder drei mal auf den Ball. Um halb sechs stehen wir auf. Charlie Brown ist etwas knatschig…

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photo credit: The Peanuts Movie via photopin (license)

Manchmal schläft er länger oder kürzer, ich bin nachts öfter oder weniger oft wach. Manchmal ist er nachts fast zwei Stunden wach, manchmal muss ich nur einmal auf den Ball. Mit anderen Worten: es ist unvorhersehbar. Aktuell schreit er immer und auch nachts ist täglich Action. Ich finde den 26-Wochen-Schub überhaupt nicht lustig! Ich kann nur erahnen, wie wenig Spaß das für den armen Charlie Brown ist.

2 Gedanken zu „Ein Gruß aus der Hölle via 26-Wochen-Wachstumsschub#8220;

  1. Oh mein Gott

    Mir steckt noch der 19-Wochen-Schub in den Knochen…

    Aber letzte Nacht lief gut – unser Tag ist deutlich besser als jeder in der vergangenen Woche und ich habe heute ein nahezu sonniges und zufrieden brabbelndes Kind. Dieses Gefühl werde ich konservieren und in den drohenden Schub mitnehmen o_o

    • Die ersten Monate waren echt hart!! Aber es wird besser! Glaubt man nicht, aber es ist so. Heute sind wir mit der Tram in den Kindercafe gefahren und er ist zuhause an der Brust eingeschlafen. Nur ein paar Tränen auf dem Heimweg. Da war undenkbar vor einem halben Jahr!

      Es ist hart und unglaublich kräftezehrend, aber es wird leichter! Haltet durch!

      Liebe Grüße

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