Unser 5ter Monat

Dieser Monat war deutlich anstrengender als der Vorherige. Auf den letzten Metern holte uns der Wachstumsschub ein und hinterließ seine Spuren. Charlie Brown war wie immer, nicht launischer oder mürrischer, aber er schlief wieder schlecht. Der Schlafmangel ging und geht mir langsam ziemlich an die Substanz. Ich habe das Gefühl keine Reserven zu haben, bin humorloser als gewöhnlich und würde definitiv derzeit kein Auto mehr fahren. Die Vorstellung, dass wir noch weitere fünf Monate keinen ausreichenden Schlaf bekommen könnten, ist sehr verstörend.

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photo credit: We’ve been trying to crawl via photopin (license)

Schlafen
Der Dauerbrenner, das Schlafen… Am Anfang des Monats tat Charlie Brown sich richtig schwer mit dem Einschlafen. Gerade zum Ende des Tages war es sehr anstrengend mit ihm. Und das Einschlafstillen ging nur mit Tränen und viel Stress bei uns beiden von statten. Ich leide sehr, wenn er so weint.

In einem Fall lief es so, dass wir erst stillten und dann auf den Ball gingen, da er nicht zur Ruhe kommt beim Stillen. Er mochte aber weiter an die Brust. Auf dem Ball suchte er also danach und zeigte mir deutlich was er möchte. Ließ ich ihn jedoch ran, fletschte er die Brustwarze, guckte sich um, drehte sich zurück und kam so nicht zur Ruhe (abgesehen davon, dass mir das weh tat). Also gab ich sie ihm nicht und er weinte dann sehr. Danach war er aber entspannt genug zum Einschlafen, ich hoffe also, dass es einfach raus musste. Ich hatte ihn dabei immer fest im Arm und kuschelte meine Wange an die seinige.

In der Nacht wurde er zunehmend unruhig, wälzte sich (auf mir) und ab drei Uhr musste ich mit ihm wippen (bei Herrn Griesgram wurde er nun oft wach). Einmal war er sogar mitten in der Nacht eine Stunde hellwach. (Eigentlich war es früh, gegen zehn Uhr. Aber der kleine Charlie Brown schläft zwischen fünf und sechs Uhr ein, es war also gefühlt mitten in der Nacht.) Daher schlafen wir jetzt wieder auf dem Sofa. Hier ist er ruhiger (aber nicht ruhig!). Sonst würde ich gar keinen Schlaf bekommen. Mir schwant Übles für den nächsten Wachstumsschub.

Zwei Wochen später besserte sich das jedoch und das Einschlafen lief so gut wie noch nie. Ich dachte es wäre, weil unser Ritual nun endlich funktionierte, doch zum Ende des Monats kam der nächste Schub und die Probleme beim Schlafen mit ihm zurück. Schade. An leichtes Einschlafen könnte ich mich durchaus gewöhnen.

Wir hatten jedoch nicht wie üblich Entspannung zwischen den Wachstumsschüben. Er schlief zwar super ein, jedoch nicht mehr und länger als sonst. Dadurch fiel es uns gar nicht so auf, dass der Wachstumsschub bereits vorbei war.

Alltag
So langsam schleicht sich bei uns Routine ein. Herr Griesgram hat Elternzeit und so entspannte ich mich etwas (wie man eben mit High-Need-Baby und ohne Schlaf entspannt). Es ist ganz faszinierend, wie viel Charakter Charlie Brown schon hat und wie gut man sich mittlerweile kennt. Ein ganz erstaunliches Gefühl.

Unser Sohn plante in diesem Monat mobil zu werden. In den letzten zwei Wochen übte er fleißig den Vierfüßlerstand und konnte am Ende durchaus beachtliche Erfolge verzeichnen. Allerdings war es ein tränenreicher, harter und steiniger Weg. Dennoch, am Ende konnte man zumindest einen rudimentären Vierfüßlerstand erkennen. Ich bin gespannt, wann er krabbeln wird. Ich glaube, er möchte ganz unbedingt mobil werden.

Wir haben auch jetzt keine Stillkrise gehabt. Charlie Brown liebt die Brust, heiß und innig. Er redet sogar mit ihr wenn er trinkt oder nuckelt. Dann kommt ein zufriedenes „hmmmhhhmmm“ oder ein empörtes „HHHMMMMÖÖÖÖAAAAMMM“.

Entwicklung

So langsam passieren die Entwicklungsschritte nicht mehr nur hauptsächlich bei ihm in seinem Kopf, sondern wir können sie direkter sehen. Charlie Brown redete viel mehr und differenzierter (dem Gebrabbel nach zu urteilen scheinbar ein großer Fan der EM, obwohl er jedes Spiel verschlafen hat…). Er machte am Ende des Monats den Vierfüßlerstand und bereitete sich so auf den nächsten Schritt, das Krabbeln (oder das Sitzen), vor. Auf einmal geht es so schnell.

Er drehte sich nun IMMER direkt auf den Bauch und übte. Dabei schimpfte er, weil es noch nicht so zufriedenstellend klappte. Aber er drehte sich nicht zurück. Wir haben gedacht, er hat es verlernt. Manchmal (etwa einmal pro Woche) zeigte er jedoch, dass er das Drehen in beide Richtungen noch kann. Zudem kann er es beim Stillen. Liegt er in meinem Arm, dreht er sich auf die Brust und wieder zurück.

Unser Sohn ist noch immer kein großer Greifer. Aber der clevere, kleine Kerl nimmt dann meine Hand, wenn ich etwas in der Hand habe, und führt es sich zum Mund. Problem gelöst! 🙂

Was wirklich auffiel war auch seine verstärkte Wahrnehmung. Ein paar Tage lang guckte er sich bei uns in der Wohnung um, als hätte er sie noch nie gesehen. Auch sonst machte er weniger „binge-watching“, sondern fokussierte ein Objekt genauer.

Gesundheit

Uns ist aufgefallen, dass Charlie Brown in der Hüfte auf einer Seite beweglicher ist als auf der Anderen. Also sind wir dann doch zum Osteopathen. Nachdem mich die Mediziner nicht überzeugt hatten, mit den Diagnosen, ohne ihn je kennengelernt zu haben, sind wir zu einem Heilpraktiker. Und was für einem! Er macht bspw. auch Reiki.

Unsere Sitzung ging eine Stunde, in der wurde Charlie Brown untersucht, mit grünem Laserlicht bestrahlt, ich musste meine Geburtsnarben zum fließen bringen und Herr Griesgram und der Osteopath philosophierten über allerlei ‚Verschwörungstheorien‘, aber am Ende war tatsächlich die Hüfte beweglich. Es funktionierte also scheinbar. Charlie Browns gestresste Organe konnte der Osteopath auch enstressen. Super. Jetzt ist er fit für die Weltherrschaft.

Der Rückweg war leider mühsam. Charlie Brown war müde und kann im Auto (überhaupt draußen) nicht schlafen. Er schrie also. Doch gegen Ende der Fahrt nickerte tatsächlich kurz weg! Nur kurz. Pause, um anschließend lauter zu weiter zu schreien. Jetzt wissen wir auch, dass längere Ausflüge (noch) nicht empfehlenswert sind.

Natürlich ist Charlie Brown durch seine (und meine) Behandlung kein Stück entspannter 🙂 Ich war ziemlich skeptisch gegenüber der ganzen Sache. Ich hatte Angst, dass der Osteopath falsch drückt und irgendetwas einklemmt oder ihm sonst irgendwie Schmerzen zufügt. Es verlief aber alles super. Die Wunderwaffe gegen unser schnell überreiztes Kind war er aber auch nicht. Aber Charlie Brown hatte auch gar keine Verspannungen im Nacken oder ähnliche Befindlichkeiten, laut dem Experten.

Ansonsten kündigt sich das erste (ggf auch gleich das zweite) Zähnchen an. Aber es lässt sich Zeit. Den ganzen Monat über sah man eine kleine weiße Spitze im Unterkiefer, die aber nur ganz langsam größer wird. Ein paar Nächte müssen die beiden Übeltäter ganz schön geschmerzt haben, da weinte und wimmerte er im Schlaf.

Sonstiges

Nach dem letzten Monat hatte ich gehofft, dass es weiter (noch) leichter wird mit ihm. Es wurde aber eher schwerer (jedoch kein Vergleich jedoch zu Monat 3, aber wir sind auch langsam eingespielt). Es zeichnet sich jedoch ab, dass wir unserer Dorf in der nächsten Zeit nicht verlassen und ich auch weiter viele Stunden auf dem Ball verbringen werde.

Einerseits vergeht die Zeit unglaublich langsam, es gibt Tage, die ziehen sich wie Kaugummi, aber andererseits sind schon fünf Monate herum und unser kleiner Mann hat schon unglaublich viel gelernt. Es fällt zunehmend schwerer, die Geschehnisse und Erlebnisse der vergangenen Monate zu differenzieren; es verschwimmt in einer Einheitssuppe, der Chronik der Abenteuer wird zu einem Bündel an Erinnerungen, die mehrheitlich mit positiven Gefühlen verknüpft sind. Wie muss das erst nach drei Jahren sein?!? Zum Glück schreiben wir hier im Blog alles auf.


Dinge, die Herr Griesgram und ich gelernt haben/ an denen wir gewachsen sind:

  1. mit wenig Schlaf maximal viel schaffen
  2. mit den eigenen Kräften haushalten
  3. sein (Schlaf-)Verhalten hängt eher mit dem Wachstumsschub zusammen und weniger mit uns oder was wir unternehmen
  4. so schlecht ist ein Sofa als dauerhafter Schlafplatz gar nicht…

Dinge, die Charlie Brown gelernt hat/ cm, die er gewachsen ist:

  1. besser greifen
  2. richtig gut drehen
  3. minimal robben
  4. Vierfüßlerstand
  5. allerlei neue Laute
  6. Spuckebläschen
  7. Spucke als Massenprodukt
  8. 3cm gewachsen
  9. Lieblingsspielzeug: Oball

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