Me & my mom

Was bisher geschah… Wir bekamen Charlie Brown, Oma Sonnenschein war mit der „Erziehung“ und ihrer Behandlung nicht einverstanden, Oma Sonnenschein wurde schwer krank, der Kontakt wurde immer schlechter und brach dann gänzlich ab. Genau nachzulesen hier und hier.



photo credit: Go-tea 郭天 The melody of love via photopin (license)

Und jetzt? Tja. Einerseits bin ich froh. Die Gespräche mit Oma Sonnenschein waren mühsam und anstrengend und eher eine Pflicht geworden. Andererseits bin ich traurig und verwundert und verletzt. Sie ist meine Mutter. Sie will mich so nicht (mehr) und das tut weh. Und auch für Charlie Brown tut es mir leid. Gleichwohl denke ich besser keine Oma, als eine schlechte Oma, die nicht liebevoll und interessiert ist. Trotzdem…

Was aber passiert ist, ist eine enorme Reifung in mir. Kennt Ihr diese erschlagende Erkenntnis, dass Ihr lange etwas für Fakt gehalten habt und sich dann, auf einmal, als nur halbwahr heraus stellte? Ein so tiefer innerer Glaubenssatz, dass man ihn nicht einmal sieht?

Für Charlie Brown ist es ganz logisch, dass er beim Rad fahren den Helm aufsetzt. Er hinterfragt das nicht, der Helm gehört zum Radfahren wie Salz auf Pommes. Das ist so. So ging es mir mit meiner Mutter. Mein Vater war „der Böse“ und meine Mutter „die Gute“. Und das war so fest, dass ich das nicht einmal erkannt habe.

Vor ein paar Jahren war ich bei einer Therapeutin und sie fragte auch nach meiner Mutter. Ich erinnere mich an die Frage sehr. Ich sagte „nee, die war super“ und wechselte das Thema. Und es fühlte sich richtig und abgeschlossen an. Heute denke ich, dass meine Therapeutin da wohl „Oha!“ dachte und mich machen ließ. Ich war nicht bereit für das Thema. Heute frage ich mich wie es mir nicht einmal auffallen konnte. Die menschliche Psyche ist schon sehr phänomenal!

Ich konnte auch lange nichts Gutes zulassen von meinem Vater. Er war ja der Böse, ne? Jetzt kann ich das und zu den traurigen Erinnerungen gesellen sich nun ein paar Schöne. Von selbstgebauten Drachen zum Beispiel. Sie leben in mir in völliger Koexistenz und machen die traurigen Erinnerungen nicht weniger traurig. Wer hätte das gedacht? Ich sag’s euch, die menschliche Psyche ist so faszinierend. Diese Erkenntnisse sind für mich als hätte sich ein Nebel gelichtet. Und ich frage mich was ich alles noch nicht erkenne.

Sei es drum. Ich arbeite an mir. Und ordne meine Gefühle ein und ab und zu schiebe ich alles weit weg und lebe einfach mein Leben. Manchmal darf man den ganzen Mist von Schreibtisch auch in eine Schublade kacheln, Schoko essen und sich über den aufgeräumten Schreibtisch freuen. Zumindest für einen kleinen Nachmittag lang oder wenn Besuch kommt.

Ein nicht unerheblicher Teil in mir hat auch noch immer ein schlechtes Gewissen. Ich habe Oma Sonnenschein im Stich gelassen. Es ist meine Schuld. Ich bin eine schlechte Tochter, ein schlechter Mensch! Im Grunde weiß der Verstand, dass das nicht stimmt. Aber Verstand und Gefühl, die gehen nicht immer gemeinsame Wege. Und so tief eingepflanzte Gefühle und innere Glaubenssätze wie diese, die wird man nicht so einfach los. Da fängt meine Reise gerade erst an. Aber in fatalistischen Weltuntergangsszenarien bin ich gut. Quasi von der Pike auf gelernt.

Dennoch, damit ist das Kapitel Mom für uns soweit beendet. Ein komisches Gefühl. Es hat mich ja über ein Jahr in Gedanken und Träumen begleitet. Immer akut, immer präsent. Nun kommen andere Dinge in den Vordergrund. Mein Plan an die Uni zu gehen zum Beispiel. Oder die Kita. Einfachere Dinge. Und ich genieße das. Es geht uns gut.

Dieser Beitrag wurde unter Alltag veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permanentlink.

2 Gedanken zu „Me & my mom#8220;

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*