Gewalt

Wir haben eine ganz wunderbare und liebe Putzfee. Sie ist selbst Mutter und erzählte entrüstet von ihrem letzten Spielplatzbesuch. Ein Kind ärgerte ein anderes und warf mit Sand. Beide Mütter warteten ab, wie die Kinder das lösen. Hinzu kam eine dritte Mutter und bewarf das eine Kind mit Sand.



photo credit: Viktor Karppinen Midsommar_2014_134 via photopin (license)

Ich fand das furchtbar. Ich hätte dieser Frau etwas gehustet! Das ist Körperverletzung, ganz abgesehen von der miserabelen Vorbildfunktion. Unsere Putzfee meinte aber, dass viele andere Mütter mit dieser Reaktion völlig d’accord gewesen wären. Laut Kinderschutzgesetz ist das eine Straftat.

Dennoch scheint Gewalt gegen Kinder gesellschaftlich in Teilen akzeptiert. Die richtige Portion Gewalt natürlich. Nicht zu viel und nicht zu wenig. Gerade so, dass aus den tyrannischen Blagen gesellschaftskonforme, sozialversicherungspflichtig arbeitende Erwachsene werden. Oder so ähnlich.

Rechtlich und wissenschaftlich ist das eigentlich eindeutig. Kinder körperlich bestrafen ist verboten. Auch die Forschung ist recht eindeutig. Kinder, die Gewalt erfahren haben, sind eher übergewichtig, depressiv, aggressiv, beziehungsunfähig, weniger erfolgreich und so weiter. Dabei ist weder die Härte der Gewalt noch die Form maßgeblich relevant. Egal ob physisch oder psychische Gewalt, sie prägt!

Wie kann es also sein, dass es gesellschaftlich so akzeptiert ist? Wir benutzen Synonyme, damit die Gewalt weniger schlimm klingt, aber es bleibt doch Gewalt. Keiner würde sagen „heute war mein Kind so frech, da habe ich es geschlagen“, aber „ein paar hinter die Löffel“ ist ja gleich halb so schlimm.

Warum muss Gewalt relativiert werden und warum gibt es schlimme und gute Gewalt? Ich habe als Kind Gewalt erfahren. Im klassischen Sinne als Erziehungsmaßnahme und chaotische Gewalt in Form von Ausrastern. Ganz abgesehen von psychischer Gewalt. Die meisten würden vieles davon nicht Gewalt nennen. War ja nur selten und nicht fest. Kein Kochlöffel oder so. Eifrige Leser können wohl selbst den Schluss ziehen, dass es mir geschadet hat, ganz abgesehen vom Verhältnis zu meinen Eltern.

Selbige Putzfee erzählte auch, dass ihr Lebensgefährte ja „wirklich“ geschlagen worden wäre. Also mit dem Kochlöffel. Warum zum Henker ist es sonst nicht wirklich? Weil es weniger schmerzt? Der Schmerz ist ja noch das kleinere Übel fast. Die Demütigung ist das was bleibt. Und die Hilflosigkeit. Wie können denn Leute glauben sie erziehen ihre Kinder zu starken Erwachsenen, wenn sie schon früh immer wieder gedemütigt werden. Und Worte sind da genauso schlimm! Das kannst du ja eh nicht, du nervst, ständig machst du alles kaputt, es ist deine Schuld, dass der Papa traurig (wütend) ist. You name it.

Das ist der Alltag für viele Kinder und ich finde das unsagbar traurig. Ich wünsche mir eine Welt in der Kinder nicht schlafen lernen müssen, ans Bett gebunden werden, mit Sand beworfen werden, beschimpft und beleidigt werden. Ich wünsche mir einen respektvollen Umgang! Was ich tun kann ist es vorleben und manchmal etwas predigen. Letztendlich haben wir die Spirale aus Gewalt durchbrochen und es folgen hoffentlich immer mehr Menschen.

Quellen:

Dies ist nur eine sehr kleine Auswahl der Quellen. Es gibt noch viele andere sehr interessante Artikel hierzu!

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