Von Grenzen und Menschen

Ich weiß nicht wie es euch geht, aber ich stoße an einigen Tagen (mehrmals) an meine Belastungsgrenze und überschreite diese. Wir sind umgezogen, Familie ist ja eh ein Thema für sich, Jobunsicherheit und der alltägliche Familienwahnsinn. Vielleicht kennt ihr das?



photo credit: taylormackenzie Lifeless via photopin (license)

Und an diesen Tagen bin ich verstärkt genervt von Charlie Brown (und Herrn Griesgram). Ich maule letzteren unnötig an und entlade meinen Frust. Unbewusst, erst beim Streit merke ich das dann. Bei Charlie Brown versuche ich ruhig zu bleiben. Aber das kostet Kraft und ich denke ich bin dann nicht die beste Mutter für ihn.

Und meine Güte bin ich dann genervt (von meinem Kind). Er rennt mit seiner krümeligen Kinderwaffel, vollgeschmiert mit Mandelmus über den Teppich, hinterlässt eine Schneise der Verwüstung in der frisch aufgeräumten Wohnung und schmiert anschließend irgendwas in mein Haar, oder ins Bett, oder an die Wand, oder alles zusammen. Sprich, er verhält sich wie ein Kind. Ich erinnere mich kaum wann ich das letzte mal eine ganze Stunde sauber war. Und an Tagen, an denen ich der Wäsche nicht Herr werde, Einkäufe nicht klappen, die Nacht miserabel war und ich nicht zufrieden mit meinem Blogtext bin, da empfinde ich, dass ich genervt bin von Charlie Brown.

Aber im Grunde bin ich das ja nicht. Er verhält sich altersentsprechend und wie immer. In mir ist etwas anders und mein Bauchgefühl sagt „Kind! Jetzt mach aber mal wie ich will“. Also eigentlich bin ich von den Umständen genervt und sein ganz normales Verhalten ist dann der Auslöser, aber eben nicht der Grund. Kann man in dem Moment quasi nicht unterscheiden. Daher nehme ich mich zusammen. So gut es geht.

Die Liebe zu unseren Kindern wird immer stärker. Sie wird fester und widerstandsfähiger. Wie eine kleine Pflanze, die zu einem Baum heran wächst. Am Anfang ist man ganz vorsichtig und hegt und pflegt sie, aber je größer der Baum wird, umso mehr muten wir ihm zu. Oft ist das richtig, aber auch große Bäume können durch kleine Läuse zerstört werden. Wir müssen achtsam bleiben, auch wenn das Fundament fest ist. Das versuche ich zu leben.

Natürlich ist ein blöder Tag nicht schön. Für keinen von uns. Aber auch nicht schlimm, denn unsere Verbindung ist fest. Gleichzeitig bleibt es mir aber wichtig achtsam und liebevoll zu sein und einen schlechten Tag nicht (oder möglichst wenig) am Kind auszulassen, nur weil es sich wie ein Kind verhält. Auch wenn das mal nervt.

Dennoch kann ich am diesen Tagen eben nicht alles einfach schlucken und wegrationalisieren. Ich bin ja auch nur ein Mensch. Daher darf Charlie Brown an diesen Tagen eben nicht so viel wie sonst. Dann nehme ich ihm diese dämliche Kackwaffel weg und sage öfter „ich habe jetzt keine Lust zu reiten.“ oder was auch immer. Da ist meine Grenze eben viel eher erreicht. Ich überschreite sie an diesem Tag vermutlich sehr oft, denn Charlie Brown ist klein, aber ich wahre sie eben auch ab und zu und nehme mich ernst.

Ich denke darum geht es uns. Grenzen ernst zu nehmen und sich diese bewusst zu machen. Und die dürfen ruhig von Tag zu Tag anders sein. Denn das ist ja menschlich.

Und dann sind da ja auch die guten Tage. Da fühlt man sich wie Supermama, hat den Wutanfall gut begleitet, viel gelacht und gespielt und am Abend schläft der Kleine seelenruhig ein. Es gibt auch diese Tage. Man (Ich) neigt nur immer zur Schwarzseherei und der Höllenschlund tut sich auf und das Kind ist für immer verkorkst. Und als Erwachsener wird er ein unhöflicher Egoist und endet als Manager in der Chefetage. Oder so ähnlich.

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