Bye Bye Berlin – Hello Hessen

Wir sind umgezogen! Gut 500km weit weg nach Hessen. Mit Kleinkind. Einem High Need Kleinkind. Und es lief überraschend sehr gut. Ich habe mir anfangs einen unglaublichen Kopf gemacht, „wie wird Charlie Brown den Umzug verkraften?“, „wie organisieren wir alles?“, „muten wir ihm zu viel zu?“. Aber es lief super.



So ein Umzug ist ja eh und sowieso totaler Stress. Schon ohne Kind macht das keinen Spaß, ist mühsam und teuer. Wie sagt man so schön, zweimal umgezogen ist einmal abgebrannt. Und das ist unser 3ter Umzug in drei Jahren. Genug zum Ausmisten gab es trotzdem (nur um das vorweg zu nehmen, es wird doch immer schnell voll in der Wohnung).

Die normale Planung des Umzugs war, dass wir ein Unternehmen beauftragen, das uns die Möbel von A nach B fährt und den Kleiderschrank ab- und aufbaut. Umzugskisten werden von uns selbst be- und entpackt. Durch die große Entfernung und daher lange Wegstrecke musste eine Übernachtung eingebaut werden, da der Transporter am 1ten Tag beladen und am 2ten Tag erst entladen werden sollte. Und spätestens hier ist es mit Kind schwer. Also, Charlie Brown fährt nicht gerne Auto, er schläft quasi nur zuhause und ohne Mama geht es eh nicht.

Unser ursprünglicher Plan war, dass wir einen Teil der Strecke am ersten Tag machen, dort übernachten und den Rest der Strecke am Folgetag bewältigen. Oder, wir nehmen ein Hotel in Berlin und fahren am Folgetag. Nun hat Charlie Brown den Schlaf eine Woche vor dem Umzug auf einen Mittagsschlaf umgestellt. Somit war unsere Planung dahin. So früh (mittagschlafgerecht) kann man in kein Hotel einchecken und zuhause schlafen war zu spät, da wären die Möbelleute schon da.,


Also haben wir gegrübelt und beschlossen „ach, leck mich doch an die Futt“, wir schlafen in Gießen bei Freunden. Trau dich und fahr einfach, Frau Sonnenschein. Auf der Fahrt mit dem Zug gibt es viel zu entdecken. Und das klappte super.

In Berlin war es schwierig. Wir mussten oft umsteigen und es waren ihm viel zu viele Menschen (am Ostkreuz, Berliner wissen nun Bescheid). Aber im ICE flitzte er durch die Gegend und staubte Dinkelstangen und Spielzeug ab.


Nach vier Stunden war er jedoch müde, schlief aber im Tragetuch ein als ich kontinuierlich hin und her lief. Die Leute guckten dann etwas verwundert, aber das kümmert mich nicht.

In der Wohnung unserer Freunde wurden wir dann schon erwartet und Charlie Brown fühlte sich pudelwohl. Er spielte und erkundete. Auch hier klappte das Schlafen nur kurz im Tuch beim spazieren gehen, aber abends schlief er dann erfolgreich im Gästebett.

Der Umzug lief eigentlich gut. In Berlin wurden die Halteverbotszonen missachtet und wir mussten das Ordnungsamt rufen lassen. Wir wohnten in einer sehr schmalen Straße, der LKW hing fest, der Rückstau war beachtlich und führte zu einiger Entrüstung und das hat dann doch insgesamt eine Stunde zusätzlich in Anspruch genommen. Für den Herrn Griesgram. Charlie und ich saßen ja derweil gemütlich im ICE und kauten Dinkelstangen.

Ansonsten war das Umzugsunternehmen richtig klasse, sorgsam, gründlich, gut vorbereitet und schnell. Wir haben uns hier auf Portalen informiert und eher einen teuren Anbieter gewählt. Es gab gar keine Probleme und das hat sich total gelohnt. Würde ich wieder so machen.

In Gießen lief alles glatt am nächsten Tag. Unser Schrank steht sicher und alle Sachen kamen unbeschadet an. Auch hier lief es im Grunde bestmöglich ab.

Das klingt easy peasy, aber das war es nicht. Zumindest nicht um Vorfeld. Ich bin die Königin des Sichverrücktmachens und konnte hier meine Paradedisziplin wirklich unter Beweis stellen. Ich hatte so unglaubliche Angst Charlie Brown zu überfordern und ihm dem Boden unter dem Füßen weg zu reißen. Es war das einzige zuhause, dass er kannte. Das Kindercafe um die Ecke, der Bäcker, das Piratenschiff zum Klettern. Das war sein Zuhause und das gab ihm die nötige Sicherheit die Welt zu erobern. Denn genau damit fängt er gerade an! Mutig erobert und erkundet er.

Zum Glück habe ich wunderbare Freunde auf Twitter, die mir sagten, dass WIR sein Boden sind. Nicht der Ort. Mama und Papa! Und dann kamen bei mir die Tränen und die Entspannung. Und sie hatten recht! Es klappte ja super! Natürlich ist es richtig zu planen und sich Sorgen zu machen. Aber lasst euch auch immer von lieben Menschen trösten. Und redet über eure Ängste.


Charlie Brown liebt unser neues Zuhause. Er spielt und entdeckt. Momentan hängt er sehr an mir und ein paar mal (sehr oft, fast immer) war er nachts wach und musste weinen, aber alles in allem lief das unglaublich gut. Wir waren sogar schon beim Kinderturnen! Ein Kurs. Mit fester Zeit. Wir! Stellte sich als zuviel heraus, aber wer nicht wagt…

Ich vermisse unser Kindercafe, da es so etwas hier nicht gibt. Wir müssen noch weitere Kurse für Charlie Brown finden und vielleicht Freunde zum Spielen. Die Flexibilität eines Besuchs eines Kindercafes war schon sehr schön, aber es hat sich unglaublich gelohnt diesen Umzug zu wagen.




Es braucht ein ganzes Dorf…

Auf Twitter kommen immer wieder Kommentare, wie leicht es wird, wenn man mit Freunden zusammen ist. Die Kinder haben Spaß, man kann Aufgaben teilen. Insgesamt Entlastung für alle. Es braucht ein Dorf… Das kannte ich bisher nicht. Charlie Brown klebt an mir. Der Papa ist super, aber nur wenn Mama dabei ist.

Aber hier blüht er auf. Er schnappt sich die Hand unseres Freundes und erkundet. Er spielt recht erfolgreich das Fohlen der 3jährigen während sie mit mir Pferd spielt (er läuft hinter her und freut sich. Aber das funktioniert für alle Beteiligten). Nach ein paar Tagen war es ihm etwas zu viel und wir mussten uns etwas zurück ziehen. Und alle haben Verständnis. Ja, an die Sache mit dem Dorf kann man sich gewöhnen.

Die Eingewöhnung hat etwa drei Wochen gedauert. Vielleicht etwas länger. Die erste Woche war er total aufgedreht und hatte an allem Spaß. Dann kam er an und wir mussten etwas Pause machen. Ab da begannen auch die schlimmen Nächte.

Charlie Brown wurde nach drei Stunden Schlaf wach und war gefangen im Schlaflimbo, zum müde zum Spielen, zu wach zum Schlafen. Er war unzufrieden und konnte nicht Schlafen und nicht Spielen. Es half tatsächlich nur Weinen. Doch auch das ging nicht einfach so. Ich muss ihn in den Arm nehmen, die Brust einpacken und halten. Die Enge lässt ihn entspannen und er kann weinen.

Wenn er sofort abdockt, ist das eine Spirale, er trinkt, kann nicht schlafen, wieder halten usw. Also müssen wir ihn erst mal zum Weinen begleiten. Dann brechen alle Dämme und er schluchzt bitterlich. Und kann schlafen. Das hat sich am Anfang nach drei Stunden wiederholt, danach war er dann nur noch unruhig und hat sich viel gewälzt.

Mittlerweile ist es nicht mehr jede Nacht der Fall. Aber noch häufig. Er wacht zu früh auf, ist knatschig und danach aufgedreht (er hat ja auch Schlafmangel). Aber es wird langsam. So ein Umzug ist ja auch eine große Sache. Das muss man verarbeiten. Das Zwingen zum Weinen ist allerdings schrecklich für mich und ich habe Angst, dass wir ihn damit quälen. Aber wir haben echt alles mögliche versucht, ich glaube wirklich er braucht das.

Wir haben hier oft über unsere Eltern und innere Dämonen geschrieben. Einer meiner Dämonen ist, dass ich nichts falsch machen will (denn sonst öffnet sich die dritte Pforte der Hölle und nimmt alles mit sich in die Tiefe). Ich lese viel, damit mein erwachsenes Ich hier die Führung übernimmt. Aber nachts, mit dem armen Charlie Brown im Arm, da ist das kindliche Ich und hat Angst etwas falsch zu machen.

Insgesamt war das Ankommen sehr anstrengend. Zuerst auspacken, sich einrichten, nebenher etwas streichen, dem Kleinkind gerecht werden und dabei sich um sich selbst kümmern ist faktisch unmöglich. Ich bin jemand, der eigentlich alles schnell erledigen möchte um sich wohl zu fühlen. Nach nun fast zwei Monaten hängen zwei Lampen noch nicht und gestrichen ist auch nicht alles.

Dank eines Wachstumsschubes und des Umzuges klammert Charlie Brown gerade unheimlich und ich versuche zumindest etwas Zeit für mich zu ergattern. Aber es war so verflixt anstrengend, ich bin erschöpft. Und habe keine Lust mehr auf diesen ganzen Umzugsklimbim. Dann bleibt es halt liegen und mein innerer Monk muss weinen.

Mein Resümee ist, dass es besser lief als erwartet, insbesondere der Tag des Umzugs. Aber es dauert bis man ankommt.

2 Gedanken zu „Bye Bye Berlin – Hello Hessen#8220;

  1. Einen schönen Blog hast du da und hab nun drei Texte gelesen und muss einige Male Nicken, Schmunzeln, Seuftzen, Grübeln und vorallem denken ‚ja das geht mir auch so’und’Oh ja das kenn ich‘.
    Wir haben mittlerweile zwei Kinder, die erste war drei Jahre quasi an mir fest gewachsen. Ab zwei öffnete sie ihre Augen bewusster für die Außenwelt (die engste) und begann sich erst zu lösen. Seit sie drei ist, und vorallem seit sie große Schwester ist, kommt es mir vor als stürmt sie in die Welt. Dabei läuft es ganz entspannt bin ihrer Seite, ich bin es nur nicht gewöhnt, dass sie plötzlich und immer mehr los lässt…Mamagefühle halt. Und dann denke ich, ich bin so froh um jedes Mal dass ich sie stundenlang getragen, gestillt und behütet hab. Dein Text hat mich (auch daran) wieder erinnert, danke.

    • Liebe Desiree

      Vielen Dank für deinen Kommentar! Leider vernachlässige ich den Blog momentan, aber das ändert sich bestimmt wieder.

      Ich bin immer froh zu hören, dass andere nicht nur Ähnliches erlebt haben, sondern auch, dass es einfacher wird. Wir merken es auch schon. Schlafen ist nicht mehr so schlimm, und kleinere Ausflüge sind auch kein Problem mehr. Ein tolles Gefühl.

      Ich bin auch froh, dass wir ihm seine Zeit lassen. Er macht das so toll.

      Wie alt sind deine Kinder?

      Liebe Grüße
      Britta

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