Alles eine Frage der Organisation

Ich liege auf dem Sofa mit schnorchelndem Glühwürmchen im Arm und lese den wunderbaren Artikel von Kathrin
über ihre kinderlosen Freundin und sinniere so vor mich hin.



photo credit: leonfhl Mom’s bloom via photopin (license)

Wir haben zwei befreundete Pärchen, die erfolglos versuchen ein Kind zu bekommen. Und die denken verständlicherweise, dass wir auf hohem Niveau meckern. Wir haben einen gesunden Jungen. Er fordert viel, aber er ist da und gesund (im Groben und Ganzen). Und sie haben völlig Recht. Und gleichzeitig auch wieder nicht. Denn sie verstehen es nicht. Können Sie auch noch nicht. Leider.

Vor unserem Sohn dachte ich auch, dass ich möglichst viel von meinem alten Leben behalten will. Das war ja auch sehr gut und ich mochte es sehr! Ich wollte nach drei Monaten wieder halbtags arbeiten und ein Projekt leiten. Nach einem Jahr dann mit 75% weiter machen. Es schien machbar. Meine Mutter ist nach sechs Wochen zurück in den Beruf und hier in Berlin ist die ganztägige Kita ab einem Jahr Standard. Alles eine Frage der Organisation. Mütter, die nicht arbeiten gingen, konnte ich nicht verstehen. Heute ist es doch so machbar und so einfach…

Aber ich habe mich verändert. Ich wurde Mutter. Eine Mama. Und das bin ich als allererstes. Nicht Frau, Ehefrau, Liebhaberin, Mitarbeiterin oder Freundin. Ich bin zuerst eine Mama. Und das hat mich völlig überrascht. Natürlich ist es eine Frage der Organisation, aber es ist vor allem eine Frage der Prioritäten. Vor unserem Sohn waren meine Prioritäten meine Arbeit, meine Hobbies, meine Freunde und natürlich mein Mann. Ich bin einfach davon ausgegangen, dass das Baby eine von diesen Prioritäten wird und nicht alle anderen so in den Schatten stellt.

Doch auf die Bedürfnisse des kleinen großen Babys einzugehen ist mir so unglaublich wichtig. Ich möchte, dass er sich immer richtig fühlt. Dafür habe ich sehr lange mich komplett zurück gestellt. Gerade kann ich aber etwas mehr für mich wieder tun. Dennoch haben wir zum Beispiel den Entschluss gefasst, dass ich erst mal noch ein Jahr zuhause bleiben werde. Das war undenkbar für mein altes Ich.

Und so sehe ich mich vor zwei oder drei Jahren und lächele und denke mir „wenn du wüsstest…“. Deshalb verstehe ich, dass unsere Freunde uns nicht verstehen. Ich hätte es auch nicht verstanden. Man kann Elternsein nicht erfassen. Erst, wenn man es bereits ist, begreift man die Tragweite. Aber dann liebt man so sehr und das Leben ist so viel reicher, dass die Zugeständnisse nicht mehr so schwer zu nehmen sind. Dann gehe ich halt nicht mehr aus momentan. So what? Kommt auch wieder.

Ich gebe mich nicht auf oder so. Ich habe Bedürfnisse (und Wünsche) und die sollten auch befriedigt werden. Aber dieser Wunsch, möglichst viel von meinem alten Leben in mein Leben als Mutter zu integrieren, der ist gänzlich verschwunden. Ich denke der Wunsch ist schlichtweg Angst. Es ist doch ganz natürlich Angst vor etwas Neuem zu haben. Und das erste Kind ist doch Wahnsinn. Da weiß man vielleicht theoretisch was auf einen zukommt, aber irgendwie auch nicht. Und das macht Angst. Also klammert man sich an die kontrollierbaren Dinge und versucht sein altes Leben möglichst gut zu integrieren, damit die Veränderung nicht ganz so fundamental erscheint. Ganz schön clever von unserer Psyche. Und ganz schön clever, dass man sich dann von diesem Wunsch lösen kann. Nicht muss, kann. Denn tatsächlich kann man ja sein altes Leben integrieren und auch das wäre völlig in Ordnung. Ich bin dennoch froh, dass ich durch diese Metamorphose gegangen bin.

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