Unser Weg zum Attachment Parenting und was wir uns damit erhoffen

Wenn ich vor einem Problem stehe, informiere ich mich. Ich begebe mich in das Internet und recherchiere. Falls das an Informationen nicht ausreicht oder es mir noch immer unklar ist, dann besorge ich mir entsprechende Bücher. In jedem Fall beginnt eine große Informationsmaschinerie. So bin ich einfach, egal bei welchem Thema. Mittlerweile weiß ich, dass das nicht üblich ist.

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Eine Bekannte aus dem Geburtsvorbereitungskurs hatte mir zufällig erzählt, dass ihr wenige Monate alter Sohn starke Koliken hat. Ihre Kinderärztin empfahl Kümmelzäpfchen, informierte sie aber nicht weiter. Jedoch bekämpft dies nur das Symptom, nicht die Ursache des Leids. Der arme Kerl hatte also weiter Bauchweh und bei ganz schlimmen Schmerzen gab es erst die Hilfe durch die Medikamente.

So passiv bin ich einfach nicht. Ich lese bis ich alles verstehe und denke, optimal handeln zu können. Insbesondere, wenn es um mein Kind geht! Ich lese jedoch nie vorausschauend. Nur bei einem akutem Problem.

Als Charlie Brown nun fünf Wochen alt war, begann das abendliche Schreien und ich suchte und fand den Wunschkindblog. Dort wurde uns geholfen und vieles erklärt. Ich las weiter und mein Interesse an der bedürfnisorientierten Erziehung wuchs und wuchs.

Bis dahin hatten Herr Griesgram und ich uns keine Gedanken zu der Erziehung gemacht. Wir würden nach Bauchgefühl erziehen (was dagegen spricht haben wir hier niedergeschrieben). In den Texten wurde wunderbar erklärt, was beispielsweise schreien lassen in Kindern anrichtet und welche Auswirkungen dies auf ihr Erwachsenenleben hat. Und Herr Griesgram und ich erkannten uns wieder. Ich beispielsweise habe viel Angst. Insbesondere, nicht geliebt zu werden. Das wollen wir Charlie Brown nicht mitgeben. Er soll sich zu jedem Zeitpunkt geliebt und willkommen sowie respektiert fühlen. Um das zu erreichen, müssen wir (teilweise) gegen unser gutes, altes Bauchgefühl handeln. Und dazu braucht es einerseits Verständnis und Willen, andererseits auch Informationen, wie man es anders machen kann. Also legte meine Informationsmaschinerie los. Insbesondere habe ich viel vom Wunschkindblog und von Susanne Mierau gelernt. Aber auch viele der ganz unten aufgezählten Bücher haben mir geholfen. Dort muss ich allerdings sagen, dass mir in manchen zu viel Blabla stand, ich mag es lieber kurz und knapp. Das ist aber Geschmackssache.

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Ich glaube im Grunde wollen Eltern immer das gleiche für ihr Kind. Sie wünschen sich, dass es zu einem glücklichen, selbstbewussten Erwachsenen heranreift, möglichst in einer sicheren Umgebung. Keiner denkt doch „die Verhältnisse hier sind so miserabel, ich hoffe es bricht ein Bürgerkrieg aus und mein Sohn kann an der Front kämpfen“. Ich denke da sind alle Eltern aller Generationen gleich gestrickt. Der Weg, wie man glaubt dies zu erreichen, unterscheidet sich jedoch teils erheblich.

Was wir Charlie Brown mitgeben wollen ist, dass wir ihn bedingungslos lieben und hinter ihm stehen. Wir glauben, dass die bedürfnisorientierte Erziehung der Weg dorthin ist. Das heißt nicht, dass es keine Grenzen gibt, allen voran ist seine Sicherheit eine Grenze, aber auch Medienkonsum wird eine Grenze werden. Zudem gibt es unsere persönlichen Grenzen, genauso aber auch seine persönlichen Grenzen. Wir wollen einfach respektvoll miteinander umgehen und gute Vorbilder sein.

Wir wünschen ihm, wie vermutlich alle Eltern ihrem Kind, eine glückliche, unbeschwerte Kindheit. Er soll viel ausprobieren können und gute, aber auch schlechte Erfahrungen machen. Er wird hoffentlich Erfolg und Frustration kennenlernen und ich hoffe, dass wir ihn bei allen Problemen begleiten können. Ich hoffe, dass er tolle Freunde findet und sich nie allein fühlt. Für seine äußere Umgebung wünschen wir ihm hauptsächlich Sicherheit.

Wir möchten jedoch auch, dass er ein kritischer Mensch wird. Wir hoffen, dass er Spaß daran hat, Dinge zu verstehen und nichts als in Stein gemeißelt hinnimmt. Wir möchten, dass auch er sich immer breit informiert und eine kritische Entscheidung trifft. Wir wünschen uns, dass er den Mut hat anderer Meinung zu sein, auch gegenüber uns. Auch deshalb ist die bedürfnisorientierte Erziehung unser Weg. Hier sind seine Bedürfnisse relevant und sein „nein“ wird gehört und (häufig) akzeptiert.

Daher wird er eine Montessori Kita besuchen und unter Umständen auch eine entsprechende Schule. Die Kinder verbringen einen Großteil ihrer Kindheit in der Schule, daher werden wir diese Entscheidung sehr sorgfältig treffen und uns informieren. Neben uns werden die Lehrer und Erzieher sicher die einflussreichsten Erwachsenen in seinem Leben sein. Daher müssen wir hier für ihn die (für uns) beste Wahl treffen. Oft ist auch die weitere Familie im Leben der Kinder und beeinflusst diese, beispielsweise die Großeltern. So lernen Kinder auch verschiedene Generationen und Ansichten kennen. Leider wohnen die Großeltern bei uns nicht nur weit weg, wir stimmen auch oft nicht überein bezüglich der Erziehung, so dass das Verhältnis eher distanziert ist.

Seine Zukunft kann man sich nicht vorstellen. Ich bin aus den 80er Jahren. Als meine Mutter mich bekam, hat sie sich garantiert nicht träumen lassen, dass man heute keinen Brockhaus mehr braucht oder keine Briefe schreiben wird. Ein Telefon mit langer Schnur war schon besonders damals, selbst schnurlos war noch ein Traum. Auch ist seitdem die Welt eine andere. Sie ist schneller und auch egoistischer bzw. erfolgsorientierter. Das hat sie garantiert nicht erwartet.

Ich wünsche mir für Charlie Brown eine entspanntere Zukunft, in der man auf einander achtet und sich mit Respekt begegnet. Das schließt Kinder mit ein, so eine Welt wäre für alle Altersgruppen eine Bereicherung. Ich wünsche ihm eine Welt, in der man nicht immer stark sein muss, sondern Schwäche zeigen darf. In der man nicht schon als Kind hört „Indianer kennen keinen Schmerz“, sondern liebevoll getröstet wird.

Naiv bin ich nicht. Ich glaube nicht, dass die Welt sehr bald so sein wird. Bisher wird sie immer schneller und lauter und der Ellbogen siegt immer öfter. Wir können aber unseren Beitrag dagegen leisten und es anders machen. Es ist schwer etwas gegen den Strom zu schwimmen, aber letztendlich trainiert das die Muskeln. Ich glaube nicht, dass man auf unserere Gesellschaft vorbereitet, indem man abhärtet. Ganz im Gegenteil! Wir geben ihm so viel Liebe mit, dass er trotz einer harten Gesellschaft sich finden kann.

Ich bin überzeugt, dass Kinder am meisten durch Nachahmung lernen. Sie sehen wie wir uns verhalten und machen das nach. Daher ist es elementar wichtig, respektvoll und liebevoll zueinander zu sein. Natürlich gehen nicht alle Menschen so wie oben ausgeführt mit ihren Kindern um. Viele erwarten, dass Kinder funktionieren und sich so verhalten, wie sie es gerne hätten. Viele Eltern sind auch dauergestresst und oft genervt im Umgang mit ihren Kindern. Diese beziehen das in den ersten fünf Jahren auf sich und ihr Verhalten, fühlen sich unzureichend und adaptieren auch das Verhalten ihrer Eltern. Wenn man einem Kind immer wieder sagt, wie sehr es stört wird es zwangsläufig zum Störenfried. Schließlich ist das die Aufmerksamkeit, die es am meisten gewohnt ist. Wir müssen Charlie Brown also mit so viel Aufmerksamkeit und Liebe versorgen, dass er solche Erlebnisse kompensieren kann.

Noch ist Charlie Brown so klein, dass er keine Erinnerung an diese Zeit haben wird. Wir hoffen, dass er mit dem Gefühl aufwächst geliebt und respektiert zu sein. Bleibende Erinnerungen schaffen wir dann in den nächsten Jahren.

Dieser Beitrag ist Teil der Blogparade auf Zwerggefluester.de

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