Unser 4ter Monat

In diesem Lebensmonat ist unglaublich viel passiert und ich kann es nicht so strukturiert beschreiben wie vorher. Daher verfasse ich es nun in Themenblöcken entsprechend unserer Kategorien.

Vasilisa
photo credit: Vasilisa via photopin (license)

Schlafen
Unser Monat begann entspannt. Frisch aus dem Wachstumsschub konnte Charlie Brown zunächst ganz gut schlafen. Doch der nächste Schub klopfte schon an die Tür und brachte Schlafschwierigkeiten mit. Tagsüber konnte er nur eine halbe Stunde am Stück schlafen, dann wachte er auf und gähnte. In der Nacht kam Herumwälzen dazu. Für jemanden, der sich nicht drehen kann, geschweige denn krabbeln, war er nachts sehr mobil. Das wurde so stark, dass er sich selbst damit geweckt hat. Daher wippten wir von da an nachts ab drei Uhr, um Charlie den notwendigen Schlaf zukommen lassen zu können.

Eines nachts wachte ich mit so starken Schmerzen auf, dass ich gesagt habe „Leck mich an die Futt, jetzt gehen wir ins Schlafzimmer“. Durch das permanente Schlafen auf dem Sofa kapitulierte meine Rückenmuskukatur, die Verlegung des Schlafplatzes daher unabdingbar. Und siehe da, es klappte! Unsere Befürchtungen, Charlie Brown könnte keine längere Zeit Ruhe in dem für ihn neuen Raum Schlafzimmer finden, waren unbegründet. Ob er bereits früher bereit gewesen wäre? Erfahren werden wir es nie. Wir ziehen nun jeden Abend mit einem schlafendem Charlie Brown ins Bett. Ein Meilenstein wurde erreicht! Zwar schlafen wir im Wohnzimmer auf dem Sofa ein, ziehen dann aber bald mit einem schlafenden Charlie Brown ins Bett und verbringen dort den Rest der langen (kurzen?) Nacht.

Schlafen außerhalb der Wohnung blieb ein Tabuthema. Daher hatte ich große Sorge vor der U4. Die hat Charlie Brown jedoch easy peasy weggesteckt und er fiel nach vier Stunden wach sein in einen komatösen Schlaf. Daraufhin beschlossen wir zwei Dinge: die ersten Gähner ignorieren wir von nun an und ab jetzt wird mehr unternommen. Das läuft mal besser mal schlechter, hat aber seine Einschlafzeit enorm reduziert. Zudem schlief er länger. Wir kamen so auf zwei längere Schläfchen und zwei Powernaps. Was ein Segen!

Darüber hinaus sind wir das Thema „Schlafen“ noch weiter angegangen! Wir haben nun ein Ritual eingeführt. Wir sind jetzt in der Lage, jeden Raum der Wohnung zu verdunkeln. Unser Ritual ist also alles dunkel zu machen und die Dunstabzugshaube anzustellen, dann gebe ich Charlie Brown die Brust und anschließend wird gegebenenfalls auf dem Gymnastikball gehüpft. Außerdem führe ich nun ein Schlafprotokoll. So sehen wir wie viel er schläft und ob sich ein Rhythmus abzeichnet. Und tatsächlich scheint es den zu geben. Nachdem wir nun nicht mehr versuchen, ihn ständig beim Einschlafen zu begleiten, ist es für alle entspannter.

Beim Schlafen, meinem persönlichen Erzgegner, hat sich also einiges zum Guten gewendet. Er schläft mehr, schläft besser ein und insbesondere nachts im Bett. Wenn ich jetzt auch nachts schlafe anstatt zu wippen bin ich glücklich. Vom Solo-Schlafen alleine haben wir uns verabschiedet. Wir hoffen noch, dass er irgendwann auch wieder bei Herrn Griesgram schläft.

Alltag
Dank der U4 forderten wir mehr von Charlie Brown. Bis dahin lebten wir noch unter Reizreduzierung, doch nun testeten wir. Ein Besuch im Park sorgte für eine optimal kurze Einschlafzeit, ein Besuch im großen Supermarkt (genaugenommen in zweien) führte zu massivem abendlichen Schreien und einen knatschigen Charlie Brown am Folgetag. Das werden wir in vier Wochen noch einmal testen. Er fand es toll, Kindern beim spielen zuzugucken, allerdings nicht zu laut und nicht zu weit weg und am besten zwischen zwei und drei Jahren alt. Und auch zum Bäcker und dem kleinen Supermarkt um die Ecke geht er gerne.

Diesen Monat fand er es auch toll uns beim essen zuzugucken. Daher schafften wir gelegentlich ein Essen am Tisch oder ich kochte sogar eine Kleinigkeit. Ich bin gespannt, wann er sich wirklich für „richtiges Essen“ interessiert. Bisher ist er mit der Brust mehr als zufrieden. Nach nun vier Monaten dauerstillen bin ich auch ziemlich abgehärtet.

Entwicklung
Charlie Brown startete den Monat spektakulär und drehte sich vom Bauch auf den Rücken. Allerdings nur einmal, dann stellte er für die nächsten drei Wochen die Drehversuche ein (Gott sei Dank, denn die Wohnung war (noch) nicht kindersicher).

Er fing auch an uns allerlei Sachen zu erzählen, so konnte man jetzt Freude, Angst, Empörung, Wut oder Langeweile gut unterscheiden. Und das Lachen wurde ein Kichern und Giggeln. Das haben wir dann sogar versucht auf Video aufzunehmen, so niedlich ist das. Funktionierte nicht so gut, Charlie Brown ist die Kamera etwas suspekt. Wir haben Zweifel, ob er jemals zum Selfie-Typen wird, und sorgen uns jetzt schon ein wenig um eine mögliche soziale Ausgrenzung Charlie Browns.

In Prinzip stecke er den kompletten Monat im 19-Wochen-Schub. Nachdem der in allen Foren als extrem deklariert war, befürchtete ich das Schlimmste. Das war es nicht. Er hat viel gelacht, wir konnten endlich das Haus verlassen, an der Brust hing er sonst auch ständig, also kein Unterschied. Was man merkte war, dass er sich schwer tat tagsüber weiter zu schlafen, nachts ab drei Uhr wurde er sehr unruhig und ich habe mehr Milch produziert (der Bedarf wurde also angemeldet).

Zum Ende des Monats zeigte er uns, was in ihm steckt. Er erlernte das Greifen, sich in beide Richtungen zu drehen und robbte etwas vorwärts. Ach du heiliger Bimbam. Das war verrückt. Wir planen frei von Lob und Strafe (aka logische Konsequenzen) zu erziehen. Das ist ganz schön schwer und ich übe das schon, so lange er es noch nicht richtig versteht. Aber als er auf dem Sofa die Drehung machte, habe ich zu ihm gesagt „Charlie Brown, wir machen das zwar nicht, aber du verstehst mich eh nicht. Ich bin verdammt stolz auf was du tust und was du bist“. Dann habe ich ihn abgeknutscht, er hat verwundert geguckt und dann gelacht.

Gesundheit
Da er sich doch mit vielem schwerer tut als andere Babies, dachten wir, dass wir doch auf Empfehlungen Dritter hören und einmal zu einem Osteopathen gehen. Ich habe nicht geglaubt, dass Charlie Brown Verspannungen hat und sich deshalb so schwer tut, sondern immer, dass er einfach so ist. Er saugt die ganze Welt in sich auf und ist dann überfordert.

Nichtsdestotrotz, wir wollten den Besuch wagen. Kann ja nicht schaden. Zunächst verließen wir uns auf die Empfehlung von Nachbarn sowie anderen Bekannten und vereinbarten einen Termin bei einem Orthopäden und Chiropraktiker. Dann las ich jedoch, dass dieser auch Babys einrenkt und das ist bei Babys mit Vorsicht zu genießen. Danach suchte ich einen Osteopathen im Internet. Dort rief ich an und bekam auch gleich von der Sprechstundenhilfe eine Diagnose. Schlafstörungen. Bäääm! Keine fachliche Ausbildung, aber weiß voll Bescheid. Durch ein zweiminütiges Telefonat. Von so etwas halte ich gar nichts! Wir fragten also den Kinderarzt bei der U4. Dieser bestätigte was wir ohnehin dachten, Charlie sei wohl so und hat keine Schmerzen oder Verspannungen. Damit ist das Thema Osteopath von Tisch.

Die U4 verlief super und wir bekamen bescheinigt was wir längst wussten: wir haben einen aufgeweckten intelligenten, wunderbaren Sohn. Zudem sagte uns der Arzt, dass es gar nicht selbstverständlich ist, schon einen Tag-Nacht-Rhythmus zu haben.

Sonstiges
Charlie Brown hat diesen Monat so unglaublich viel gelernt, ich bin fast sicher im Oktober macht er den Führerschein. Nachdem es die ersten drei Monate kontinuierlich anstrengender wurde, kam in kleinen Schritten nun die erste ersehnte Erleichterung. Aber wir sind auch routinierter geworden. Ich glaube mit der Menge an Routine von jetzt wäre es auch vorher leichter gewesen. Eine Elternwoche soll ja einem realen Monat entsprechen, das trifft in diesem Monat mehr als zu.

Was verstärkt auffiel war, dass er viel zu mir wollte. Der arme Herr Griesgram durfte teilweise nicht mal gucken, sonst flossen schon Tränen. Da ich eigentlich nächsten Monat arbeiten wollte, musste mein Arbeitgeber also wieder vertröstet werden. Das ist nicht nur finanziell bitter (das können wir schon irgendwie wegstecken), aber ich mag meinen Beruf und habe durchaus Sorge um meine Karriere. Gott sei dank bin ich so müde, dass ich mich nicht verrückt machen kann. Und Herr Griesgram kann leider nur bedingt helfen, wenn er für Charlie Brown nur Bezugsperson Nr. 2.9 ist.

Natürlich war es anstrengend in diesem Monat. Und es flossen bei mir auch zwei oder drei Erschöpfungstränen. Aber im Vergleich zu vorher habe ich diesen Monat als den Schimmer am Horizont erlebt. Und ich bin so unendlich stolz auf meinen Jungen.


Dinge, die Herr Griesgram und ich gelernt haben/ an denen wir gewachsen sind:

  1. wtraue deinem Kind
  2. fordere dein Kind
  3. schlafen im Bett ist großartig

Dinge, die Charlie Brown gelernt hat/ cm, die er gewachsen ist:

  1. greifen
  2. drehen
  3. minimal robben
  4. lustig kichern
  5. an einer Banane lutschen
  6. 3cm gewachsen
  7. Lieblingsspielzeug: Mobile

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