Unser 8ter Monat

Woah. Die Zeit vergeht doch ganz schön schnell, auch wenn sich Minuten manchmal dahinziehen. Charlie Brown hat einen riesigen Sprung gemacht und wird immer mobiler und mutiger. Er ist plötzlich so groß. Ich genieße das. Es ist so viel schöner als die Anfangszeit.


15555036460_82e5f7a9e5_o
photo credit: Me and my shadow via photopin (license)

Schlafen
Wir sind ganz schöne Idioten. Da haben wir glatt gedacht es geht nicht schlechter… Wir haben die Nächte des Grauens hinter uns. Einige davon. Charlie Brown war teilweise zwei mal pro Stunde wach und ich musste jedesmal auf den Gymnastikball. Er schläft an der Brust ein, wacht auf, dann nuckelt er, wir müssen auf den Ball und dann weiter nuckeln. Das schlaucht. Und bei Herrn Griesgram schreit er wieder konsequent. Das heißt, der Arme steht mir nachts beim hopsen bei, kann aber nichts tun. Aber in diesem Monat haben wir auch zwei mal fünf Stunden am Stück geschlafen. Es geht. Wir brauchen nur noch mehr Geduld. Und Koffein. Intravenös.

Die Tagschläfchen waren wie immer. Mal länger, mal kürzer. Mal mit Tränen, mal ohne. Insgesamt hat er sich oft schwer getan und war sehr angespannt. Er wacht auch noch immer bei jedem Mucks auf. Trotz der laufenden Dunstabzugshaube. Das ist sehr schade, denn es reicht da manchmal ein Magenglucksen von mir. Oder ein Knacks vom Parkettboden.

Alltag
Herr Griesgram arbeitet wieder, daher sind wir tagsüber wieder zu zweit. Mittlerweile können wir kurz in das Kindercafe um die Ecke gehen. Charlie Brown findet das super und stürmt sofort los, auf Kinder und auf Spielzeug. Nach etwa einer halben Stunde reicht es ihm jedoch und wir gehen wieder. Aber es ist ein Meilenstein für uns. Es ist total spannend, die Babys untereinander zu sehen. Wie er mit ihnen interagiert und Kontakt sucht. Ich bin froh, dass es klappt.

Beim Krabbeln ist er sehr effizient und ressoucensparend. Es wird sich nicht ein Millimeter zuviel bewegt. Nur ganz langsam entdeckt er die Wohnung. Er krabbelt unglaublich gerne auf dem Wohnzimmertisch herum. Der ist auf zwei Ebenen und die Glasplatte, die obere Ebene, ist jetzt durch Schaumstoff geschützt. Darauf kaut und beißt er gern herum.

Wir essen nun regelmäßig zu Mittag. So sehr ich vom BLW überzeugt bin, so anstrengend ist es. Ich muss täglich irgendwie kochen und am Ende die Küche auf ein erträgliches Maß an Sauberkeit bringen. Charlie Brown krabbelt dabei unglaublich gerne durch den Dreck und verteilt ihn. Aber er hat Freude am gemeinsamen Essen und würde bei Brei wohl ziemlich protestieren. Er möchte ALLES was wir essen. Am liebsten von unserem Teller.

Unser Leben ist jedoch weiter in einem 500m-Radius. Beim Spazieren gehen schläft er nicht ein, egal wie müde er ist. Und auch das Kindercafe hat ihn schon einmal so gestresst, dass er abends völlig fertig war und viel geweint hat (eine Stunde lang etwa).

Entwicklung
Unser kleiner Mann kann schon so viel! Er krabbelt wie ein Weltmeister. Er hat dabei eine etwas eigenwillige Technik. Eine Mischung aus Bärengang und Krabbeln. Und er kann stehen. Einigermaßen. Er zieht sich überall hoch und übt das Stehen. Er kann sogar schon ohne Hochziehen aufstehen und sich dann festhalten. Oder etwa 15 Sekunden frei stehen. Die Entwicklung ging ganz schön schnell die letzten Tage und Wochen.

Auch feinmotorisch hat sich einiges getan. Er kann zwei verschiedene Dinge gleichzeitig in die beiden Hände nehmen und lässt eines irgendwann los. Sogar den Pinzettengriff habe ich schon gesehen. Und er kann auf etwas draufhauen. Jetzt wird das Knisterbuch ganz neu bearbeitet. Das geht so schnell auf einmal.

Sprachlich kommen immer mehr Geräusche dazu, Silben jedoch noch nicht. Es klingt so niedlich, wenn er erzählt!

Gesundheit
Der zweite Zahn ist aufgetaucht und strahlt uns entgegen. Ich hatte nicht das Gefühl, dass es sehr schmerzhaft war. Dafür kam der erste Schnupfen. Doch auch dieser war noch sehr harmlos. Ein kerngesundes Baby also! Die weiteren Beißerchen können also kommen.

Sonstiges
Der Monat war anstrengend, aber auch nicht total kräftezehrend. Es gab viele familiäre Probleme (mit meiner Mutter), so dass ich unglaublich erschöpft bin.


Dinge, die Herr Griesgram und ich gelernt haben/ an denen wir gewachsen sind:

  1. Zusammen sind wir stark
  2. Durchhalten
  3. Gegenseitig Kraft spenden

Dinge, die Charlie Brown gelernt hat/ cm, die er gewachsen ist:

  1. Sich hochziehen
  2. Krabbeln
  3. Stehen
  4. zwei Dinge gleichzeitig greifen
  5. 1cm gewachsen
  6. Lieblingsspielzeug: einfach alles

2 Gedanken zu „Unser 8ter Monat#8220;

  1. Ich habe gerade all deine Beiträge gelesen und das tat so gut! Du hast einen sehr schönen Schreibstil!
    Es hilft mir zu wissen, dass man nicht allein ist und dass es langsam besser wird, wenn auch mit Verschlechterungen während der Wachstumsphasen.
    Meine Tochter ist jetzt fast 4 Monate alt und genauso wie dein Sohn, nur dass wir Fön und Schaukelstuhl nutzen und stillen sie leider eher aufregt als beruhigt.
    Bevor sie auf die Welt kam, hatte ich noch nie etwas von High-need Babys oder Babys mit besonderen Bedürfnissen gehört. Ich hatte mir die Elternzeit entspannt vorgestellt, wollte meine Promotion zum Abschluss bringen, viel Freizeit…. Hah, Pustekuchen! Auch wir hatten am Anfang massive Probleme beim Stillen, die im Krankenhaus mit genau den gleichen Argumenten abgetan wurden. Sie schreit und trinkt nicht, weil ihr übel vom Fruchtwasser sei… Uns hat zum Glück unsere sehr gute Nachsorgehebamme geholfen, die mit mir stundenlang dagesessen hat und anlegen und andocken geübt hat. Naiverweise dachte ich ja, sowas funktioniert alleine.
    Dann das nächste Problem, unsere Tochter kann alleine, also ohne Körperkontakt und Bewegung, nicht einschlafen und auch nicht weiterschlafen. Tja, schläft wie ein Baby trifft hier wohl nicht zu. Und das führte bei uns auch zum begleiteten Schlafen und mehren Stunden schaukeln täglich. Zum Glück funktioniert das auch bei meinem Mann, so dass er mich ablösen kann, wenn er von Arbeit kommt.
    Es ist hart und schwer, und ich hasse mittlerweile Schaujelstühle, aber ich liebe sie sehr und will, dass es ihr gut geht!
    Durch deinen Blog habe ich das Gefühl, dass ich nicht allein bin mit diesen Problemen und dass es doch irgendwann besser wird, man muss nur durchhalten.
    So wie bei dir reagiert unser Umfeld und leider auch unsere Familien mit vollkommenem Unverständnis, Kritik und blöden Kommentaren: ihr verwöhnt sie, lasst sie schreien, früher musste die Frau den ganzen Tag alleine mit dem Kind zurecht kommen…
    Schade, dass man ausgerechnet in so einer schweren Zeit alleine da steht und dann noch von allen Seiten kritisiert wird.
    Puh, das ist jetzt lang geworden, aber es tat gut etwas Frust von der Seele zu schreiben. Ich bin jedenfalls froh, dass es wenigstens im Internet Leidenspartner zu finden gibt und werde mit Spannung deine nächsten Beiträge erwarten!
    Weiter so!

    • Liebe Tina
      Vielen Dank für deinen Kommentar! Du hast gerade auch echt ne sehr anstrengende Zeit. Aber es wird ganz langsam wirklich besser. Und man wächst so auch irgendwie über sich hinaus.

      Ich habe auch gedacht, dass ich etwas von zuhause arbeiten könnte. Babys schlafen ja viel. Ein wenig Paper schreiben oder Artikel aus meiner Promotion veröffentlichen. Da war (und ist) nicht dran zu denken. Aber deine Diss läuft dir nicht weg. Auf ein Jahr kommt es im Normalfall auch nicht an (so im Nachhinein gesprochen).

      Du machst das großartig und stehst für dein Kind ein. Schade, dass das so wenige nachvollziehen können.

      Liebe Grüße.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*